Outsourcing-Markt in EMEA mit starkem Start ins Jahr 2016

Der Outsourcing-Markt in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) hat 2016 einen starken Start hingelegt. Hier haben IT- als auch Business Process Outsourcing im Jahresvergleich zugelegt. Sowohl die Zahl als auch der Umfang der Verträge ist im Vergleich zum ersten Vorjahresquartal zweistellig gewachsen.

Der EMEA ISG Outsourcing Index® erfasst kommerzielle Outsourcing-Deals mit einem jährlichen Vertragsvolumen (Annual Contract Value, ACV) von mindestens vier Millionen Euro. Ihm zufolge erreichte das ACV in EMEA 2,25 Milliarden Euro im ersten Quartal, was einem Plus von 19 Prozent gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahrs entspricht. Die Zahl der Verträge stieg im Vergleich zum ersten Quartal 2015 um 28 Prozent. Damit spiegeln die Zahlen in EMEA die Ergebnisse auf dem Weltmarkt wider, wo das ACV im Jahresvergleich um 20 Prozent auf fast fünf Milliarden Euro zulegte, während die Zahl der Verträge um 32 Prozent wuchs.

Treibende Kraft im EMEA-Outsourcing-Markt waren Restrukturierungsverträge, deren ACV um 115 Prozent anstieg, während die Anzahl der Deals um 91 wuchs. Damit war das erste Quartal 2016 im Hinblick auf Restrukturierungen in der EMEA-Region das zweitstärkste überhaupt. Das ACV neuer Verträge hingegen ging zurück, doch mit 97 Abschlüssen blieb die Marktaktivität nahe der 100-Verträge-Schwelle, was auf eine generell lebendige Marktdynamik hinweist.

Sowohl IT-Outsourcing (ITO) als auch Business Process Outsourcing (BPO) legten im jüngsten Quartal zu. ITO wuchs im Jahresvergleich um 20 Prozent auf einen ACV von fast 1,5 Milliarden Euro mit 115 Verträgen. Dieser Anstieg markiert die Rückkehr von ITO-Deals, vor allem bezüglich Anwendungsdesign und -wartung (Application Design and Maintenance, ADM) sowie Verträgen, die Anwendungen und Infrastruktur bündeln.

BPO begann das Jahr mit dem besten ersten Quartal seit 2012, indem es im Vergleich mit dem ersten Vierteljahr 2015 ein ACV-Wachstum von 41 Prozent erreichte. Der größte Teil dieses Anstiegs geht auf das Konto eines großen Abschlusses im Facility Management sowie einer beachtlichen Stärke von Verträgen in den Bereichen Contact Center, Finanzen, Buchhaltung sowie multifunktionalen Abschlüssen. Auch die Anzahl der BPO-Verträge wies ein robustes Wachstum auf, indem sie im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15 Prozent stieg.

„Wie von ISG vorhergesagt haben wir 2016 in der EMEA-Region einen lebendigen Start des Outsourcing-Geschäfts erlebt“, sagt Bernd Schäfer, ISG Partner und Managing Director für ISG in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). „Im Jahresvergleich verzeichnen wir im IT-Outsourcing bei Wert und Anzahl der Verträge ein starkes Wachstum. Dies weist darauf hin, dass sich Technologielösungen auf viele Bereiche positiv auswirken, auch wenn viele Aufgaben zunehmend in die Cloud verlagert werden.

Der ebenfalls deutliche Zuwachs bei Wert und Vertragszahl im Business Process Outsourcing sowie die Zunahme der Restrukturierungen zeigt: Der Bedarf an Business-Mehrwert durch Outsourcing nimmt ebenso zu wie die Chancen, die sich Unternehmen bei der Digitalisierung und dem Einsatz neuer Technologien bieten.“

Ergebnisse nach Ländern

In UK legten das ACV und die Anzahl der Abschlüsse im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent zu. Nach zwei verhaltenden Quartalen zu Jahresende 2015 bewegt sich die Outsourcing-Aktivität in UK nun wieder auf dem zuvor üblichen Niveau. Es bleibt abzuwarten, ob diese Erholung der Auftakt zu einem längeren Aufwärtstrend ist.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) fiel das ACV im ersten Jahresviertel auf den niedrigsten Wert seit mehr als acht Jahren. Trotz dieses Abschwungs beim ACV, stieg die Anzahl der Verträge auf 29 und lag damit um 32 Prozent höher als im Vorjahr. Dies deutet auf rege Vertragsaktivitäten hin, die jedoch wesentlich geringere Umfänge aufweisen und damit ein Zeichen für die  zunehmende Reife des Markts in DACH darstellen.

Nach einem besonders schwachen Start in 2015 hat sich der französische Markt im ersten Quartal etwas erholt, da der ACV 33 Prozent zulegte, wenn auch von einer schmalen Basis aus. Die Zahl der Vertragsabschlüsse hat sich im Jahresvergleich verdoppelt, sodass der französische Markt zu für ihn wieder mehr typischen Aktivitätsleveln zurückkehrt.

Das im Jahresvergleich starke ACV-Wachstum in Skandinavien geht zum Teil auf einen großen Abschluss zwischen Volvo und HCL zurück. Aber auch das 200-Prozent-Wachstum bei der Vertragszahl machte das erste Vierteljahr zum insgesamt zweitbesten Quartal, welches das Outsourcing-Business in Skandinavien je aufwies.

Weitere Länder: In Benelux ist das ACV im abgelaufenen Quartal stark zurückgegangen, während Südeuropa ein dreistelliges prozentuales Wachstum verzeichnete. In den Märkten dieser Länder bewirkt jedoch schon ein einziger weggefallener oder hinzugekommener mittelgroßer Abschluss einen großen Unterschied. Deshalb sind die Ergebnisse des ersten Quartals nicht unbedingt ein Anzeichen für einen allgemeinen Trend.

Ergebnisse nach Branchen

Mit Blick auf die Branchen fiel vor allem die Fertigungsindustrie auf. Ihr ACV wuchs im Jahresvergleich um 177 Prozent. Obwohl auch der Volvo/HCL-Abschluss zu diesem Anstieg beitrug, verzeichnete die Branche zugleich eine Verdopplung der Vertragsabschlüsse und festigte dadurch die ausgezeichneten Ergebnisse. Ebenso in der Telekommunikation: Sie erlebte einige große Abschlüsse wie zum Beispiel den zwischen IBM und Telefonica in den Bereichen Finanzen und Buchhaltung. Die Anzahl der Verträge stieg im Jahresvergleich um 67 Prozent.

Während das ACV in der Finanzbranche um 30 Prozent gegenüber einem überdurchschnittlichen ersten Vierteljahr 2015 nachgab, stieg auch hier die Anzahl der Vertragsabschlüsse. Dazu gehören zum Beispiel bemerkenswerte Abschlüsse wie der zwischen HSBC und Jones Lang Lasalle zum Facility Management oder der BPO-Vertrag zwischen Accenture und der RSA-Versicherung.

Ausblick

„Für das zweite Quartal 2016 erwarten wir im Jahresvergleich eher verhaltene Ergebnisse“, sagt Bernd Schäfer. „Langfristig jedoch sollten die ACV-Levels in diesem Jahr insgesamt steigen, zumal der Markt 2016 einen starken Start hingelegt hat. Wir erwarten eine anhaltende Nachfrage in UK sowie eine langfristig wachsende Nachfrage in einigen der kleineren Märkte in EMEA.“